Warum man in China auch ohne Anordnung Masken trägt

In China werden Masken im Alltag aus verschieden Gründen getragen. Foto:istock

Warum man in China auch ohne Anordnung Masken trägt

Masken gehören in China und anderen asiatischen Ländern zum Alltag. (Bild: iStock)

Für uns im westlichen Kulturkreis ist sehr ungewohnt, Masken zu tragen, wie es nun aufgrund der Pandemie verlangt wird. Für Chinesen und andere ostasiatische Bevölkerungsgruppen ist es jedoch völlig normal im Alltag immer wieder Masken zu verwenden. Hier sind sechs der häufigsten Gründe, warum man in China und anderen asiatischen Ländern auch ohne Anordnung Masken trägt.

Zum Schutz anderer

Wenn in asiatischen Ländern Menschen das Gefühl haben krank zu werden, selbst wenn es eine leichte Erkältung ist, tragen sie Masken. Sie tun dies aus Höflichkeit, um zu verhindern, dass sie andere anstecken und sich die Krankheit weiter ausbreiten kann.

Bei Verdacht auf einen, wenn auch nur leichten, viralen Infekt tragen Chinesen auch Rücksicht auf andere eine Maske.

Angst vor Krankheitsausbruch

In einer dicht besiedelten Stadt wie beispielsweise Hongkong, breiten sich Infektionskrankheiten schnell aus. Dies war sowohl bei SARS als auch bei der Vogelgrippe bereits der Fall. Beim SARS-Ausbruch 2002 in Hongkong breitete sich die Krankheit in wenigen Wochen in 37 Ländern aus. Damals wurden 774 Tote weltweit registriert und es kam beinahe zu einer Pandemie.

Während des SARS-Ausbruchs war die Panik groß. Hongkongs Bewohner sind seither sensibilisiert. Sie tragen aufgrund der vergangenen Erfahrungen mit Epidemien Gesichtsmasken. Auch wenn die meisten herkömmlichen Mund-Nasen-Masken Viren nicht vollständig stoppen können, verringern sie dennoch deren Verbreitung durch Tröpfcheninfektion.

Einzelne Viren sind so klein, dass sie von der Maske nicht aufgehalten werden können. Jedoch stoßt der Mensch beim Husten und Niesen viele mit Viren belastete Tröpfchen aus, die aufgrund ihrer Größe sehr wohl durch die Maske aufgefangen werden können. Obwohl chirurgische Masken nicht zu 100 Prozent wirksam sind, können sie das Risiko der Übertragung erheblich reduzieren. Dennoch ist es immer noch wichtig in die Armbeuge zu husten oder niesen, da aufgrund des Drucks, viele Viren durch die Maske dringen.

Man sollte dabei allerdings nicht vergessen, dass eine bestimmte Menge an Keimen keine schlechte Sache für unser Immunsystem ist. So wird dem Körper eine Chance gegeben bei der Immunabwehr in Übung zu bleiben.

Angst vor Verschmutzung

Ein anderer wesentlicher Faktor ist die starke Luft- und Umweltverschmutzung in Chinas Städten.

Etwa 1,6 Millionen Chinesen werden jedes Jahr durch die Umweltverschmutzung krank. (Bild: iStock)

Es gibt zahlreiche Studien, die auf die negativen gesundheitlichen Auswirkungen von verschmutzter Luft hinweisen, mit denen China konfrontiert ist. Berichten zufolge sterben aufgrund der Luftverschmutzung täglich etwa 4.000 Menschen; diese ist somit für jeden sechsten vorzeitigen Tod verantwortlich. Eine Studie der Universität von Kalifornien hat errechnet, dass allein in China jedes Jahr etwa 1,6 Millionen Menschen an Herz-, Lungenleiden sowie an Schlaganfällen sterben. (Luftverschmutzung in Echtzeit)

Sie gelten als modisch

Für viele junge Menschen hat sich die Maske zur sozialen Barriere entwickelt. Gesunde Teenager tragen sie, zusammen mit Kopfhörern, um anderen das fehlende Interesse an einer Kommunikation zu signalisieren.

In einigen asiatischen Kulturen ist es ein neuer Trend Masken als reines Modeaccessoire zu tragen. Viele Modemarken haben begonnen, Masken mit bedruckten Blumen, Tieren, Gesichtern oder Cartoons herzustellen, diese sprechen die jüngere Bevölkerung an. Einige Frauen verwenden einfach Masken, um auf Make-up verzichten zu können. Sie finden es einfacher, das Gesicht zu verhüllen, als Zeit mit dem Make-up zu verschwenden.

Um nicht erkannt zu werden greifen auch Popstars, Schauspielerinnen und Models zu Masken, um sich dahinter zu verbergen.

Viele Modemarken entwerfen Designs, die vor allem die jüngere Bevölkerungsgruppen ansprechen. (Bild: iStock)

Vermeidung unerwünschter Aufmerksamkeit

Da Asiaten generell eher schüchtern sind, hilft die Maske auch Menschen, jede unerwünschte öffentliche Aufmerksamkeit zu vermeiden. Dies gilt insbesondere für junge Frauen, die versuchen, Belästigungen im öffentlichen Verkehr auszuweichen. Es drückt auch einen Mangel an Willen aus, mit den Menschen um sich herum zu kommunizieren.

Traditionelle chinesische Medizin

Die meisten asiatischen Länder wurden weitgehend vom Taoismus und der traditionellen chinesischen Medizin beeinflusst, wo der Atem und die Atmung als zentrales Element für eine gute Gesundheit steht.

Qi ist ein zentrales Konzept in der chinesischen Kosmologie und hat in der Regel mit Energie und auch Dampf zu tun. Qi hat im Chinesischen eine Reihe von Bedeutungen, die “Luft” [kong qi], “Atmosphäre” [qi fen], “Geruch” [qi wei], “Stärke” [li qi] und “Krankheit” [xie qi] umfassen.

Wenn das Qi im Körper erschöpft ist oder seine Bewegung behindert wird, entwickeln sich Schmerzen und Krankheiten. Aus diesem Grund ist die Atmung entscheidend, um gutes Qi im Körper zu erhalten. Die Einatmung von “feng” (schädlicher Wind/Verschmutzung) gilt als die schändlichste und häufigste der „Sechs äußeren Ursachen für Krankheiten“ in der traditionellen chinesischen Medizin.

Dieser Artikel erschien im Original auf Englisch: https://www.Nspirement.com/2017/06/16/why-do-chinese-wear-masks.html, bearbeitet von D. Sieber, C. Winter

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