Siegesgärten in Innenräumen – Teil 2

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Siegesgärten in Innenräumen – Teil 2

(Bild: Wikimedia)

Siegesgärten haben in der Vergangenheit in Krisenzeiten große Beiträge geleistet. Auch heute können Lebensmittel aus eigenem Anbau eine Hilfe in Krisenzeiten, aber ebenso ein schönes Hobby als Stressausgleich im Alltag sein. Erfahren Sie hier, wie Sie sogenannte „Siegesgärten“ in verschiedenen Platzsituationen – auch ganz ohne Balkon – anlegen können.

Wenn Teil 1 unserer Nspirement Artikelserie Sie dazu inspiriert hat, einen kleinen (oder großen) „Siegesgarten“ anzulegen, gilt es dabei natürlich, die individuelle Platzsituation zu berücksichtigen. Da öffentliche Plätze, die derzeit für Gärten frei zur Verfügung stehen, sehr selten sind, muss man sich dabei meist auf die eigenen vier Wände beschränken.

Dies ist aber kein Grund, sich entmutigen zu lassen, da es viele Möglichkeiten gibt, mit einem Siegesgarten zu beginnen.

Situation 1: Wohnung ohne Balkon

Kleine Wohnungen ohne Balkon mitten in einer Stadt sind nicht der erste Ort, an dem man sich einen erfolgreichen Siegesgarten vorstellt. Allerdings, wie die Vergangenheit gezeigt hat, ist „alles besser als nichts“ und auch in Innenräumen können Pflanzen gedeihen.

Einige dieser Tipps sind zudem ganzjährig möglich und so kann man sie auch im Herbst oder Winter anwenden.

  • Mikrogreens und Sprossen klappen (fast) immer und überall

Mikrogreens oder Mikrogün, sowie Sprossen kann man problemlos vor jedem Fenster ziehen. Man braucht dafür nur Wasser, etwas Licht und eine geeignete Unterlage. Dabei gibt es einfache Anzuchtschalen sowie Keimgläser, die günstig zu erwerben sind, wenig Platz brauchen und auch für Anfänger erfolgversprechend sind. Mikrogreens und Sprossen lassen sich auch auf Watte oder in Erde ziehen.

Kresse ist der Klassiker, aber auch Brokkoli, Radieschen, Rotkohl oder Rucola werden als Mikrogrün verzehrt.

Diese kleinen Pflanzen sind oftmals nährstoffreicher als die ausgewachsenen Pflanzen und daher wahre Vitaminbomben. Zudem sind sie normalerweise in wenigen Tagen erntefertig. Man kann die meisten Sorten roh als Brotbelag oder in Salat essen, aber auch beispielsweise als Suppengrundlage für eine warme Mahlzeit verwenden.

Details über Nährstoffgehalt und wie Sie selbst Mikrogrün und Sprossen Schritt für Schritt ziehen, finden Sie in diesem Nspirement Artikel.

  • Siegesgärten an der Fensterbank

Nicht alle Pflanzen müssen draußen gezogen werden, sondern können auch in Innenräumen reifen.

Dazu eignen sich entweder Blumentöpfe oder noch besser Pflanzenkisten, die man vor das Fenster stellt. Abgesehen von klassischen Küchenkräutern wie Schnittlauch, Basilikum oder Thymian können auch Radieschen, Erbsen sowie Zwiebel, Knoblauch und Lauch auf diese Art gezogen werden. 

Ein Überblicksvideo, wie man ohne Garten und sogar im Winter drinnen Gemüse ziehen kann – inklusive Tipps – findet man hier:

Wenn man ein Fenster hat, das sehr wenig Licht bekommt oder während der Wintermonate, sind Pflanzenlampen eine Hilfe, um eine ausreichende Lichtversorgung sicherzustellen.

  • „Regrow“- Gemüsereste am Fensterbrett nachwachsen lassen

Die Stichworte Nachhaltigkeit und Recyceln geraten immer mehr in den Fokus – nun auch bei Lebensmittel. Mit der sogenannten Technik „Regrowing“ wird Obst- oder Gemüseresten, die ansonsten im Müll landen würden, neues Leben eingehaucht. Verschiedene Pflanzen können so nahezu unendlich nachwachsen.

In dem Buch „Regrow your Veggies“ wird dies anhand einiger Beispiele Schritt für Schritt erklärt.

Laut der Autorin Melissa Raupach, lassen sich vor allem Lauchzwiebeln, Romana-Salat oder China-Kohl sehr einfach „regrowen“, während andere Pflanzen wie Ananas oder Galant Herausforderungen sind.

Dabei muss beachtet werden, dass die Pflanzen etwas weniger Nährstoffe enthalten, als die „Erstzucht“ und manchmal auch weniger ertragreich sind als diese. Beispielsweise bildet sich bei Salaten kein vollständiger Kopf mehr, sondern einzelne Blätter, die dann aus dem Strunk abgeernteten werden können. Dennoch können die nachgewachsenen Pflanzen problemlos gegessen werden. Vor allem in den kalten Monaten, wenn es wenig regionales Gemüse gibt, sind die wieder-gezüchteten Pflanzen eine gute Ergänzung.

Eine Detailbeschreibung, wie man Frühlingszwiebel, Salat, Sellerie und mehr auf der Fensterbank „regrowen“ kann findet man hier:

  • Futuristisch: „Smart-Indoor“- Siegesgarten

Weniger traditionell und etwas teurer, dafür effektiv und zeitsparend sind sogenannte „Smart-Indoor“-Gärten. Dies sind fertig vorbereitete Systeme, mit denen man Pflanzen dank integriertem Licht und Nährstofflösungen an jedem Platz im Raum und zu jeder Jahreszeit ziehen kann.

Diese kleinen „Pflanzenfabriken“ sind von der NASA-Forschung für die Versorgung im Weltall inspiriert und basieren meist auf dem Prinzip von Hydroponik. Dies bedeutet, dass dabei die Wurzeln in einer Nährlösung eingetaucht sind und mit allem versorgt werden, was für die angebaute Pflanze notwendig ist.

Laut einer Pressemitteilung von „Click and Grow“, einem der bekanntesten Smart-Indoor Garten Systemen, sollen die Pflanzen aufgrund der optimierten Nährlösungen sehr hohe Vitamingehalte haben.

„Genau wie Menschen sind auch Pflanzen unter kontrollierten Stresssituationen viel leistungsfähiger, was zu nährstoffreichen Pflanzen führt.“, heißt es in der Pressemitteilung.

Kontrollierte Stresssituationen bedeuten in diesem Zusammenhang, dass die Pflanzen zwar wachsen und sich entwickeln müssen, also in einer gewissen Stresssituation sind, aber die Versorgung mit Licht, Wasser und Nährstoffen kontrolliert und angepasst ist. Sich ändernde Wetterverhältnisse wie ein unerwarteter Kälteeinbruch oder ein Gewitter sind in Innenräumen (ziemlich sicher) auszuschließen.

Wächst eine Pflanze draußen, ist sie den Herausforderungen von unterschiedlichen Lichtverhältnissen, Wetterverhältnissen oder Fraßfeinden ausgesetzt. Auch auf dem Fensterbrett kann ein unverlässlicher Besitzer, der hin und wieder das Gießen vergisst oder mehrere Tage Regenwetter mit wenig Licht zu unkontrollierten Stresssituationen führen.

Allerdings sind diese Ergebnisse zum erhöhten Vitamingehalt durch die Nutzung von Indoor-Systemen bisher nicht in unabhängigen Studien bestätigt.

Dennoch sind die Pflanzensysteme eine Möglichkeit, Gemüse in Innenräumen das ganze Jahr über zu ziehen und ernten zu können. Auch wenn die traditionelle Art des Gärtnerns dadurch etwas kurz kommt und eine Stromquelle dafür notwendig ist, können solche Gärten in Krisensituationen einen Beitrag leisten und die Freude über frisches Gemüse oder Kräuter in den eigenen vier Wänden bleibt. Einen Überblick inklusive Bewertungen über „Smart Indoor“-Garten finden sie in diesem Überblicksartikel hier.

In diesem Youtoube-Review auf Deutsch kann man Schritt für Schritt anschauen, wie ein „Smart Indoor“ Garten aufgebaut wird und wie die Ernte ausfiel:

Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=uKeGfESnTV4

Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=_QVrrkEyMUg

Teil 3: https://www.youtube.com/watch?v=SDE6LQo_Rrs&list=PLQQyMAsjG3gtYPZgSZl0Euec2DnMNu5Je&index=3

  • Die Natur als Garten nutzen

Abgesehen von den eigenen vier Wänden oder dem eigenen Grundstück ist die Natur an sich der größte „Siegesgarten“. Wälder oder Wiesen bieten einen reichen Schatz an Lebensmitteln, die man in begrenzten Mengen für den Eigenbedarf sammeln (außer dies ist laut Waldbesitzer ausdrücklich verboten) und verwenden kann.  

Wildkräuter wie Brennnesseln, Giersch oder Löwenzahn, Beeren wie Heidelbeeren oder Preiselbeeren sowie essbare Pilze wie Eierschwammerl oder Steinpilze sind nur wenige Beispiele dafür, was die Natur in ihrem großen Garten zur Verfügung stellt.

Ein Überblick über Essbares in heimischen Wäldern findet man hier:

https://www.kostbarenatur.net/wildpflanzen-ernte-kalender-zum-sammeln/

Generell gilt dabei jedoch wirklich nur das zu sammeln, was man eindeutig erkennt und über dessen Dosierung und Zubereitung – ob es beispielsweise roh gegessen werden kann oder gekocht werden muss – man genau Bescheid weiß. Zudem ist bei wild gesammelten Lebensmitteln ein gründliches Waschen oder Reinigen vor dem Verzehr besonders wichtig.

Im nächsten Teil der Nspirement-Artikelreihe widmen wir uns den Themen, welche Möglichkeiten es für Balkon und Garten gibt – inklusive, was man jetzt noch anbauen kann, um noch in dieser Saison ernten zu können.

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